Münchau fragt, Liberale antworten – Teil 3/5: Die Zentralbank.


Was macht sie eigentlich, die Zentralbank? Und was davon ist liberal?

Wolfgang Münchau stellt in seinem Beitrag auf SPON drei Fragen an die FDP, eigentlich sind es acht, aber sei’s drum. Denn die Fragen sind spannend, weil sie ein Licht darauf werden, wie  der Liberalismus im 21. Jahrhunderts aussehen kann.

Sind “Zentral”-Banken liberal?

Welche Rolle haben moderne Zentralbanken in Wirtschaftssystemen mit großen Finanzmärkten?

Die Rolle der Zentralbanken in der Geldpolitik ist gleich geblieben: Sie sollen Deflation verhindern und dafür eine angemessene Inflation zulassen. Die Frage ist nun, ob die Geldpolitik auch zur Stimulanz der Wirtschaft in Krisenzeiten genutzt werden sollte?

Salzwasserökonomen würden dazu ja sagen. Erstens, weil Krisen die Konsequenz des Marktversagens sind und zweitens, weil die Geldpolitik besser geeignet ist, dieses Versagen zu korrigieren als (1) große staatliche Ausgabenprogramme (z.B. Abwrackprämie), die meistens zu spät kommen (bis die Politik entschieden hat, ist das Schlimmste schon wieder vorbei), (2) bestimmte Gruppen begünstigen (Automobilindustrie), (3) kostspielig sind (in der Wirtschaft gibt es nichts geschenkt) und (4) unerwünschte Nebenwirkungen haben (ein eingeschränkter Gebrauchtwagenmarkt).

Deshalb bevorzugen es Salzwasserökonomen, die Gesamtnachfrage über die Inflationserwartungen der Gesellschaft durch Geldpolitik zu steuern. Wenn die Menschen erwarten, dass die Preise steigen, ziehen sie ihren geplanten Konsum von morgen auf heute vor, die volkswirtschaftliche Produktion wird stimuliert und Arbeitskräfte werden eingesetzt. Gestiegene Inflationserwartungen erhöhen also die Nachfrage und mildern die Arbeitslosigkeit.  Erwarten sie fallende Preise ist es umgekehrt: Deflationserwartungen mindern die Nachfrage und erhöhen die Arbeitslosigkeit. Deflation gilt deshalb als ein großes Übel, das so ziemlich alle modernen Ökonomen, egal ob salzig oder süß, als verhinderungswürdig ansehen.

Aber sollte die Zentralbank tatsächlich die Inflation erhöhen auch wenn keine Deflation droht, nur um eine Schwächephase zu überwinden?

Süßwasserökonomen würden sagen: „Nein. Erstens sind solche Phasen kurz, zweitens ist es gar keine Schwäche!“ Denn die Konsumpläne der Menschen sind das Ergebnis individueller, meist rationaler Entscheidungen. Hohe Inflationserwartungen, die (unter anderem) durch niedrige Zinsen erzeugt werden, zwingen die Menschen zum Konsum, weil sich das Sparen nicht lohnt. Die Menschen wollen aber eigentlich sparen, weil sie ihre Konsummöglichkeiten in die Zukunft transferieren wollten. Inflationspolitik verhindert das.

Liberale müssen also eine klassische Güterabwägung treffen. Was wiegt mehr? Eine Rezession zu mildern und Arbeitslosigkeit zu verhindern oder die Bedürfnisse der Mehrheit der Individuen zu achten? Ja, Mehrheit. Denn selbst in den schlimmsten Rezessionen hat die Mehrzahl der Menschen noch Arbeit. Die Antwort ist alles andere als einfach. Es kommt eben darauf an, wie schwer die Krise ist. Droht sie eine Depression zu werden, wie in den 30er Jahren im Zuge der Weltwirschaftskrise, ist die Antwort eindeutig: Das muss vermieden werden. Deflationen und Depressionen zerstören das politische, soziale und wirtschaftliche Fundament eines Landes.

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank war deshalb auch aus einer liberalen Perspektive heraus richtig, aber sie darf kein Dauerzustand sein. Denn diese Politik hat Nebenwirkungen, die sich nicht nur auf  eine hohe Inflation beschränken, sondern das Problem liegt bei Banken ohne Geschäftsmodell, die durch das billige Geld am Leben erhalten werden, wie es Japan seit Jahrzehnten schmerzhaft erleben muss. Hier müssen die liberalen Instinkte anschlagen, denn hier funktioniert ein wesentliches Element der Marktwirtschaft nicht mehr: Schlechte Geschäftsmodelle müssen vom Markt verschwinden. Die kreative Zerstörung ist die Grundlage des technischen Fortschritts und damit unsere Wohlstands.Das gilt natürlich auch für die Finanzmärkte. Zentralbanken müssen sich deshalb nicht nur um die Preisstabilität kümmern, sondern auch die Finanzmärkte im Auge behalten. Zombiebanken müssen von Markt verschwinden. Dafür braucht man ein spezielles Abwicklungsprogramm, aber dazu ein anderes Mal mehr.

Zentralbanken: liberal, können bleiben.

Übermäßige Inflation als Konjunkturspritze: Nicht liberal, kann weg.

Niedrigzinsen für Zombiebanken: Nicht liberal, kann weg.

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