Grüne sind das Gegenteil von liberal


Die Grünen sprechen davon, dass sie keine „Verbotspartei“ sind, sie aber wüssten, dass Freiheit nicht ohne Verantwortung und Moral geht. So ähnlich wie die Liberalen. Aber der Liberale glaubt daran, dass die Menschen selbst moralisch handelnde Wesen sind. Der Grüne hingegen gibt das moralisch Richtige sicherheitshalber vor.

Nur Politik ohne vorgefertigte Gesellschaftsbilder ist liberal

Nicht liberal: Zeigefinger.

Nicht liberal: Zeigefinger.

Politische Ziele, die eine gesellschaftliche Entwicklung bereits vorgeben, formulieren ein Endbild. Die Gesellschaft wird danach wird mit Steuern, Gesetzen und Moral beeinflusst, bis dieses Ideal erreicht wird. Solche Politik ist paternalistisch und kann deshalb nicht liberal sein. Das gilt für ein ökologisches Weltbild genauso wie für ein sozialistisches oder konservatives Weltbild.

Natürlich fühlen sich auch Liberale dem Klimaschutz verbunden. Schließlich betreffen Klimakatastrophen und Umweltschäden Menschen fundamental in der Fähigkeit, sich frei um ihre Angelegenheiten zu kümmern. Liberale würden versuchen, ein System zum Klimaschutz zu schaffen, das die Kosten der Klimaverschmutzung ihren Verursachern aufbürdet, um so die Anreize für richtiges Handeln zu setzen. Sie würden versuchen, die Menschen weitestgehend zu schützen – aber das bedeutet nicht, jedes Mittel einzusetzen, um den Klimawandel zu verhindern.

Öko-Calvinismus ist nicht liberal

Denn die Kosten der Klimapolitik müssten scharf abgewogen werden. Kosten entstehen durch den Einsatz ökonomischer Ressourcen und durch die Beschneidung individueller Freiheiten. Der Veggie-Day ist ein (wenn auch ziemlich albernes) Beispiel für einen solchen Paternalismus. Die einseitige Subventionierungen bestimmter Technologien ein anderes. Die heimische Solarbranche kollabiert gerade im Eiltempo. Hier wurde einerseits die Entwickler alternativer Technologien benachteiligt und andererseits Ressourcen verbrannt.

Deshalb muss immer sorgfältig geprüft werden, ob eine sinnvolle Alternative darin besteht, unsere Ressourcen stattdessen dafür zu verwenden, die Lebenswelt an ein verändertes Klima anzupassen. Für Grüne wäre ein solcher Schwenk sehr schwer zu vollziehen. Denn der Schutz der Umwelt hat für sie höchste Priorität.

Für einen Liberalen ist es der Schutz der Freiheit der Menschen.

Advertisements

5 comments

  1. Während das Argument als solches völlig richtig ist, wird hier ein Vorurteil gegenüber den Grünen für meine Begriffe zu unkritisch übernommen. So war z.B. der Veggie-Day eine Idee, womit eine freiwillige (!) Selbstbegrenzung in den Kantinen Deutschlands im Blick hatte. Dass das nicht gesetzlich geregelt werden kann, ist allein schon eine verfassungsmäßige Selbstverständlichkeit.

    Der Veggie-Day war ein Vorschlag zur Selbstregulierung, wurde als Reglementierung aber absichtlich missverstanden (v.a. von Unionsparteien und FDP) und den Grünen zum Fall- (oder gar Henkers-)Strick gedreht. So, wie er gemeint und kommuniziert war, war das aber ein – ganz und gar liberaler – Appell an die Vernunft der Menschen.

  2. Alexander Postinett · · Reply

    “Denn der Schutz der Umwelt hat für sie höchste Priorität. Für einen Liberalen ist es der Schutz der Freiheit der Menschen.”
    Heißt das, Liberalismus ist automatisch anthropozentrisch, d.h. die Umwelt hat keinen Wert ansich und Tiere sind Objekte statt Subjekte? Wenn nein, wie begründet man als Liberaler Tier- und Umweltschutz, welcher keinen erkennbaren Nutzen für Menschen mit sich bringt?

  3. Der Veggie-Day stand nun Mal im Wahlprogramm, mit dem sich die Grünen um die Regierungsbeteiligung beworben haben. Und dort schreiben sie, dass sie einen solchen Tag “politisch fördern” wollen (http://www.gruene.de/themen/moderne-gesellschaft/gruenedewir-wissen-es-besser.html), was auch immer das heißen mag. Selbst wenn es “nur” um Empfehlungen gehen sollte, ist es trotzdem ein von der Regierung gemachter Vorschlag und dadurch eine Vorgabe des moralisch Richtigen.

    Im Übrigen ist es auch ein ganz unvernünftiger Vernunftappell. Als ob sich die Klima- und Massentierhaltungsprobleme dadurch lösen ließen, dass an einem Tag in der Woche in staatlichen Kantinen freiwillig auf Fleisch verzichtet wird. Ich schätze mal, dass auch die Grünen das so sehen. Wenn dann der Zweck des ganzen ein Bewusstseinswandel sein sollte, dann ist es eben doch paternalistisch und unliberal. Insofern finde ich das Beispiel eigentlich ziemlich gut.

  4. Alexander,

    wäre ich in meinen Ansichten radikaler als ich es tatsächlich bin, könnte ich sagen: Die Natur wird die Menschheit schon überstehen, die Frage ist, ob wir dann noch in ihr leben können.

    Aber etwas ernsthafter: Jeder Umweltschutz ist anthropozentrisch. Wir schützen das, was wir mögen. Eichhörnchen sind für uns mehr wert als Käfer, weil sie uns ähnlicher sind, Hunde können sogar auf ihren Namen hören, sie sind damit “menschlicher” und damit auch “schützenswerter”. Spezies wie der Panda kommen auf Tierschutz-Logos, während uns das Aussterben der US-Amerikanischen Wandertaube zugunsten der gemeinen Taube vollkommen kalt lässt.

    Ein grundlegend sinnvollerer Blickwinkel ist der, die Natur als unseren Lebensraum wahrzunehmen. (1) Dieser Lebensraum sollte uns Gesundheit und Schönheit bereit stellen. Schönheit erfreut uns, ist aber moralisch nicht verpflichtend. Und, (2) wichtiger, er sollte auch langfristig in der Lage sein, unsere Dummheiten mit Hilfe eines robusten Ökosystems auf möglichst vielen gesunden Tierarten abzufedern. Deshalb ist eine hohe Entropie, also Artenvielfalt, äußerst sinnvoll. Den mehr Arten bedeutet mehr genetische Varianten, die sich im Zweifel besser an veränderte Bedingungen anpassen können.

  5. Diederich Lüken · · Reply

    Der Begriff Öko-Calvinismus ist irreführend und ist vielleicht die Folge der inzwischen überholten Analyse von Max Weber, der bekanntlich den Calvinisten ein überzogenes Erwerbsstreben nachsagte, womit sie ihre ewige Erwähltheit vor sich selbst und anderen sicherstellen wollten. Zutreffender wär es, von einem Öko-Pietismus zu reden; denn der Pietismus setzte überzogene Moralvorstellungen in die Welt.

Wir haben wahrscheinlich nicht vollkommen recht - diskutiere mit!

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: