Cowboys, oder die Zukunft des Liberalismus.


Die gesellschaftliche Debatte über den Liberalismus und seine Bedeutung kommt so langsam wirklich in Fahrt. Gut so. Jan Lüken hatte an dieser Stelle vor einigen Tagen ja schon mal die Frage gestellt, wie liberal die Grünen nun eigentlich wirklich sind und blieb – sagen wir mal – skeptisch. Am Freitag legte der neue Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, in der Zeit nach und erklärt, daß eigentlich die Grünen die Zukunft des Liberalismus seien – eine Argumentation, die allerdings nur unter Annahme einer problematisch überpositiven Definition von Freiheit funktionieren kann.Money quote: “Den Cowboy, der durch die Prärie streifende Archetypus der Freiheit, kann es in einer modernen Gesellschaft nicht geben. Freiheit kann es in einem Staat nur in dem Maße geben, in dem der Staat allen Einzelnen die gleichen Möglichkeiten gibt. Die Freiheit der Individuen bedingt sich wechselseitig.”

Natürlich bedingt sich die Freiheit von Individuen wechselseitig – bis zu einem gewissen Grade. Und natürlich ist es – auch deswegen – auch Aufgabe einer freiheitlichen Gesellschaft und ihrer Werkzeuge, ihrer Rechtsordnung, ihres Staats, Menschen die positive Wahrnehmung ihrer Freiheit zu ermöglichen – ein bedingungsloses Grundeinkommen ist ein gutes Beispiel dafür.

Aber die Freiheit von Individuen bedingt sich eben nicht nur gegenseitig, das ergibt sich schon aus dem Begriff selbst: Individuum. Der Versuch, gleiche Möglichkeiten für *unterschiedliche* Menschen über ein gemeinsames Grundverständnis hinaus zu schaffen, ist schon denklogisch zum Scheitern verurteilt und wird sowohl theoretisch als auch in jeder politischen Realität Individuen in die Situation konkurrierender Freiheiten bringen, die praktisch eben nicht mehr einfach unter Rückgriff auf den kategorischen Imperativ unter einen Hut zu bringen sind, außer man kann Interessen klar axiomatisch hierarchisieren.

Aber eine axiomatisch implizite Hierarchisierung von “Freiheiten” ist eben das Gegenteil von Freiheit – fragt mal den Cowboy. Das hier beschriebene Freiheitsverständnis der Grünen erinnert mich daher auch eher an die rousseausche volonté générale oder auch an die konservative Erkenntnis des Emund Burke – “restraints on men as well as their liberties, are to be reckoned among their rights.”

Aber die Zukunft des Liberalismus kann ich darin wirklich nicht erkennen. Eher einen geschickten – absichtlichen oder unabsichtlichen – Etikettenschwindel.

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